Fragen & Antworten
Die Kampagne Castor Schottern will während des Castor-Transportes gemeinsam mit tausenden Leute die Schiene im Wendland schottern und somit für den Atommülltransport unbefahrbar machen. Schottern heißt dabei, dass kollektiv die Steine aus dem Gleisbett entfernt werden. Geschottert wird im Wendland schon lange, wir werden dies 2011 zum zweiten mal gemeinsam mit tausenden von Menschen machen.
Fragen & Antworten (FAQ)
Wer kann mitmachen?
Was unterscheidet Castor Schottern von anderen Aktionsformen?
Ist das Schottern nicht verboten?
Welche Gruppen sind beteiligt?
Wie kann ich teilnehmen?
Wann und wo wird geschottert?
Wie verhalten wir uns während der Aktion?
Muss ich Angst haben von einem Zug überrollt zu werden?
Welche rechtlichen Folgen kann es haben, wenn ich schottere?
Rechnet ihr mit Polizeigewalt und wie wollt ihr damit umgehen?
Was ist eine Bezugsgruppe?
Wie schottere ich richtig?
In meiner Stadt hat im Vorfeld kein Aktionstraining stattgefunden – kann ich trotzdem bei Castor Schottern mitmachen
Was sollte ich mitnehmen?
Wird uns die Polizei nicht daran hindern, auf die Schiene zu kommen?
Wie lange wollt ihr Schottern?
Wollt ihr euch mit Steinwürfen und brennenden Barrikaden gegen die Polizei verteidigen?
Muss ich unbedingt mein Gesicht zeigen?
Wo bekomme ich mehr Infos über Castor Schottern?
Wo kann ich schlafen?
Ich bin noch nicht 18 darf ich trotzdem zur Aktion kommen?
Jürgen Trittin hatte 2002 für Grüne die Teilnahme an Blockaden verboten – gilt das noch?
Wer kann mitmachen?
Beim Schottern können grundsätzlich alle mitmachen. Als gemeinsame Basis haben wir ein Aktionsbild entwickelt: Das Ziel von Castor Schottern ist es, mit einer möglichst großen Zahl von Menschen die Castor-Schiene unbefahrbar zu machen, indem wir schottern. Dabei ist uns wichtig, dass die Situation für alle transparent bleibt, und dass auch Leute mit wenig oder keiner Aktionserfahrung mitmachen können. Deshalb bieten wir in den Tagen vor dem Transport auf den Camps Aktionstrainings und Infoveranstaltungen an.
Was unterscheidet Castor Schottern von anderen Aktionsformen?
Nicht zu unrecht gilt das Wendland als Widerstandshochburg. In den Tagen rund um dem Castor-Transport wird es ganz verschiedene Aktionen geben. Castor Schottern versteht sich als ein Konzept unter vielen verschiedenen im Wendland! Im Gegensatz zu Materialblockaden, zum Beispiel, setzt Castor Schottern nicht auf das Anketten von Menschen, sondern auf den Faktor Masse. Über unser Ziel, die Schiene unbefahrbar zu machen, sprechen wir im Vorfeld auch öffentlich – weil wir möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben wollen, sich zu beteiligen. Außerdem halten wir unser Anliegen auch für legitim.
Ist das Schottern nicht verboten?
Bei der Risikotechnologie Atomkraft ist bekannt, wie immens die Gefahren für Mensch und Umwelt sind – jetzt und in alle Zukunft. Durch den Uranabbau entstehen vor allem im globalen Süden große Umweltzerstörrungen; der Betrieb von Atomkraftwerken ist eng mit der Atombombe verknüpft und es gibt weltweit kein einziges Endlager für den Atommüll, der noch hundertausende Jahre lang strahlen wird.
Auch wenn Castor Schottern nicht vom Gesetzbuch gedeckt ist: Angesichts einer Politik, die eine so menschenverachtende Technologie weiter betreibt, ist Castor Schottern vollkommen legitim und notwendig. Es entspricht der Tradition des zivilen Ungehorsams, der formalem Recht eine eigene, breitere Form des Legitimität von unten entgegenstellt.
Welche Gruppen sind beteiligt?
Die Kampagne wird von verschiedenen politischen Gruppen, Organisationen und Projekten getragen. Wir kommen aus der Anti-Atom-Bewegung, aus der Klimabewegung, aus der antifaschistischen Bewegung, aus der Umweltbewegung, aus TrainerInnenkollektiven, wir sind PfadfinderInnen, GlobalisierungskritikerInnen, GewerkschafterInnen, WissenschaftlerInnen, sind organisiert in verschiedenen Spektren der Linken oder in Parteijugenden.
Wie kann ich teilnehmen?
Es gilt: Wer früher kommt ist besser vorbereitet. Bereits einige Tage vor der Akunft des Castors im Wendland wird die gemeinsame Vorbereitung starten. In den Tagen bis zur Aktion werden weitere Trainings angeboten werden. Die genauen Termine und Orte dafür erfahrt ihr an den Infopunkten und in den Camps.
Wann und wo wird geschottert?
Der Castor-Transport rollt vorraussichtlich ab dem 24.11.2011. Geschottert wird, wenn der Transport auf den Schienen ist. Der genaue Termin wird hier noch bekannt gegeben.
Wie verhalten wir uns während der Aktion?
Auf dem Weg zur Schiene könnten Polizeiketten oder Absperrungen versuchen uns aufzuhalten. Wir werden diese umgehen durch sie hindurchfließen, indem wir Lücken ausnutzen. Dabei wollen wir uns nicht stoppen lassen und steigen nicht auf mögliche Eskalationsstrategien der Polizei ein. Wir wollen niemanden verletzen, gehen weder gegen PolizistInnen oder ihre Fahrzeuge vor. Unser Ziel ist es zur Schiene zu kommen und sie unbrauchbar zu machen. Unser größter Schutz ist die massenhafte Beteiligung – auch von Presse und Prominenten. Darüber hinaus werden manche Isomatten, Planen, Luftmatrazen, Handschuhe oder körperschützende Materialien mitbringen oder sich kreativ unerkennbar machen. Einige werden auf der Schiene auch durch Drücken oder Schieben eine Räumung durch die Polizei erschweren. Eine Auseinandersetzung mit der Polizei wollen wir aber nicht provozieren. Alle unterschiedlichen Aktionsformen im Rahmen der Kampagne Castor Schottern sind solidarisch zueinander und werden sich nicht gegenseitig gefährden. Das werden wir durch verbindliche Absprachen und einen solidarischen Umgang miteinander erreichen. Wir bleiben zusammen und werden gemeinsam Schottern.
Muss ich Angst haben von einem Zug überrollt zu werden?
Nein, denn auf dem Gleisabschnitt an dem geschottert wird, findet an den Tagen rund um den Castor-Transport kein Zugverkehr außer dem Castor statt. Bevor der Atommüllzug auf dieses letzte Stück geschickt wird, fährt noch ein Prüffahrzeug über die Schiene, um den Zustand der Schienen zu prüfen. Ihr müsst also weder Angst vor dem Zugverkehr haben, noch davor, dass der Castor durch unser Schottern entgleisen könnte.
Welche rechtlichen Folgen kann es haben, wenn ich schottere?
Die Polizei hat angekündigt, dass sie Schottern als Gefährdung öffentlicher Betriebe ansiehst. Damit würde es sich um eine Straftat handeln, die auch bestraft werden kann – doch das ist juristisch umstritten. Bisher wurde das Schottern nicht als Straftat geahndet – und je größer die Zahl der Menschen ist, die mitschottern, desto geringer ist das Risiko, dass die Aktion juristische Konsequenzen nach sich zieht.
Allerdings sollte sich jedeR darüber bewusst sein, dass TeilnehmerInnen an der Aktion Castor Schottern in Gewahrsam genommen und eventuell sogar bestraft werden können. Mit einer richterlichen Anordnung kann der so genannte Unterbindungsgewahrsam schlimmstenfalls bis zum Ende des Transports dauern. Aber denk daran: Das wird dich nie allein treffen. Die Solidarität der anderen Festgenommen und das Wissen um die Solidarität der Leute draußen, die sich um eure Freilassung kümmern, wird dir helfen. Informiert euch über eure Rechte, z.B. bei der Roten Hilfe, die es auf den Camps gibt.
Rechnet ihr mit Polizeigewalt und wie wollt ihr damit umgehen?
Wir haben ein Recht auf Widerstand – und dieses soll uns auch nicht verwehrt werden. Leider zeigen aber Erfahrungen der letzten Jahre, dass die Polizei immer wieder mit Gewalt auf Proteste reagiert. Wir versuchen aber, die Handlungsspielräume für unverhältnismäßige Aktionen der Polizei so gut wie möglich schon vorher durch unsere politische Arbeit einzudämmen. Unser Schutz ist unser Konzept der Vielfalt, der massenhaften Beteiligung und der gewollten (auch medialen) Öffentlichkeit. Kommt es dennoch zu Gewalt von Seiten der Polizei, werden wir ihr gemeinsam und solidarisch widerstehen. Wir werden dabei nicht auf ihre Eskalationsstrategien einsteigen. Wir fühlen uns aber in der Aktion auch für jedE von uns verantwortlich und werden versuchen, Verletzungen zu vermeiden. Zudem wollen wir zu allen Zeiten eine möglichst transparente Aktion für die TeilnehmerInnen herstellen und jedeR die Möglichkeit geben, ihre/seine eigenen Grenzen gemeinsam in seiner Bezugsgruppe zu ziehen.
Was ist eine Bezugsgruppe?
Eine Bezugsgruppe ist ein Zusammenschluss von 6 bis 8 Menschen, die sich gegenseitig vertrauen und auf einer Aktion gemeinsam agieren. Bei dieser Gruppengröße bleibt allen Beteiligten genug Zeit zum Reden, und trotzdem wird die Zeit für Entscheidungen nicht zu lang. Bezugsgruppen haben hauptsächlich zwei Funktionen:
1.Sie ermöglichen während einer Demo, Aktion oder Ähnlichem den bestmöglichen Schutz für die Einzelnen. Bezugsgruppen sollen aufeinander acht und den Einzelnen einen Rahmen zum Thematisieren ihrer Ängste geben.
2.Bezugsgruppen sind ein wichtiger Beitrag zur Selbstorganisation. Zum einen ermöglichen sie es großen Gruppen, besser zu agieren, indem z. B. über ein Delegierten-System Entscheidungsstrukturen aufgebaut werden. Zum anderen bietet die Bezugsgruppe eine gute Möglichkeit, die Aktion nicht nur zu konsumieren, sondern sich mit eigenen Inhalten und Aktionen in die gemeinsame Aktion einzubringen.
Wie schottere ich richtig?
Hier die Kurzfassung in der Theorie: Du gehst mit deiner Bezugsgruppe an eine Seite der Schienen zwischen zwei Schwellen – das sind die Bohlen auf denen die eigentliche Schiene befestigt ist. Dann buddelt die eine Hälfte von euch Steine weg, die anderen machen Pause und schützen die anderen, falls Polizei kommt. Nach ein bis zwei Minuten tauscht ihr. Tauscht rechtzeitig, bevor ihr merkt, dass ihr erschöpft seid. Schottern ist sehr anstrengend und wir sind hier nicht bei den Bundesjugendspielen. Achtet darauf, die Steine am Anfang weit genug weg zu schieben, sonst blockiert ihr euch später selber mit den Steinen, die ihr vorher weggeschottert habt und müsst jeden Stein doppelt anfassen. Aber das lernt man am besten praktisch in einem Aktionstraining.
In meiner Stadt hat im Vorfeld kein Aktionstraining stattgefunden – kann ich trotzdem bei Castor Schottern mitmachen?
Klar, du kannst natürlich auch ohne vorherige Teilnahme an einem Aktionstraining bei der Aktion Castor Schottern mitmachen. Ansonsten besteht aber auch auf den Camps noch die Möglichkeit, ein solches Training mitzumachen.
Was sollte ich mitnehmen?
Damit du dir nicht die Hände kaputt machst solltest du zum Schottern auf jeden Fall gute Arbeitshandschuhe und festes Schuhwerk tragen. Der November bringt zudem ja auch wettertechnisch einige Überraschungen. Wir empfehlen dir deshalb, dich warm anzuziehen. Auch Regenkleidung und Regenschirme sind wichtig, da es regnen könnte, Wasserwerfer den Weg kreuzen könnten und ihr vielleicht Sichtschutz braucht. Da der Weg zum Aktionsort eventuell etwas weiter ist, raten wir dir auch für ein paar Stunden genügend Wasser und was zu Essen mit zu nehmen. Für den Fall, dass die Polizei Tränengas einsetzt, ist es besser, während der Aktion auf Fettcremes oder Schminke zu verzichten.
Wird uns die Polizei nicht daran hindern, auf die Schiene zu kommen?
Die Schiene ist lang. Die Polizei kann nicht kilometerlang alles absperren. Außerdem führt unser Weg durch Felder und Wälder. Anders als in einer Stadt müssen wir nicht auf den Wegen bleiben, sondern können Polizeisperren umgehen. Wenn wir mehr SchotterInnen sind als PolizistInnen, können wir uns so weit in die Breite ziehen, bis irgendwo eine Lücke entsteht.
Wie lange wollt ihr Schottern?
Unser Ziel ist es, die Schiene unbrauchbar zu machen. Um eine Schwelle zu Schottern braucht es ca. 15 Minuten. Wenn die Schiene an diesem Stück nicht mehr befahrbar ist, werden wir die Schiene an diesem Punkt verlassen und uns besprechen, ob wir noch einen weiteren Punkt schottern werden.
Wollt ihr euch mit Steinwürfen und brennenden Barrikaden gegen die Polizei verteidigen?
Nein. Im Aktionsbild von Castor Schottern ist klar festgelegt, dass Steinwürfe oder brennende Barrikaden kein Teil der Aktion Castor Schottern sein werden. Wir wollen keine Eskalation mit der Polizei und werden uns auf eine mögliche Eskalationsstrategie nicht einlassen – und dafür werden wir auch keine Vorwände liefern. Schon im Vorfeld wollen wir den politischen Preis möglicher Polizeigewalt in die Höhe treiben. Während der Aktion werden wir ihr gemeinsam und solidarisch mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams widerstehen. Wir wollen eine Situation schaffen, in der alle TeilnehmerInnen solidarisch aufeinander achten und gegenseitig ihre Grenzen und Protestkulturen respektieren. Wir setzen auf massive Beteiligung, Vielfalt und (auch mediale) Öffentlichkeit. Klar ist aber auch, dass niemand von uns an die Polizei ausgeliefert wird.
Muss ich unbedingt mein Gesicht zeigen?
Nein, niemand muss sich kenntlich machen wenn er/sie das nicht will. Kreative Verkleidung gehört genauso zur Aktion, wie erkennbare Gesichter.
Wo bekomme ich mehr Infos über Castor Schottern?
Auf den Camps und entlang der Transportstrecke wird es allgemeine Infopunkte geben. Auf den Camps in Splitau, Metzingen und Köhlingen wird es zudem Castor Schottern-Zelte geben, wo ihr uns auch noch mal persönlich ansprechen könnt.
Wo kann ich schlafen?
Entlang der Schienenstrecke im Wendland wird es mehrere Camps geben. Hier kannst du in Scheunen oder Zelten schlafen. Bring auf jeden Fall einen Schlafsack und eine Isomatte mit und am besten auch ein Zelt.
Ich bin noch nicht 18 darf ich trotzdem zur Aktion kommen?
Na klar, allerdings kann es sein, dass deine Eltern informiert werden, wenn du in Gewahrsam genommen wirst. Das solltest du vielleicht vorher klären.
Jürgen Trittin hatte 2002 für Grüne die Teilnahme an Blockaden verboten – gilt das noch?
Nein, denn damals waren die Grünen ja in der Regierung – heute sind sie in der Opposition. Und da sich die Grünen regulär frühestens 2013 wieder an einer Bundesregierung beteiligen können, dürfen jetzt auch wieder Grüne und Grünen-WählerInnen blockieren und schottern. JedeR ist willkommen – Parteifahnen (egal von welcher Partei) sind aber unerwünscht.